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Bei dieser Vielseitigkeit, die Thom Trauner an den Tag legt, scheint es ungenügend, die biografischen Details nach stereotypem Muster abzuhandeln. Über manch unverhandelbare Gegebenheiten – geboren 1964 in Wels, seit 1999 in Scharnstein lebend – kommt man dennoch nicht ohne diesbezügliche Erwähnung hinweg.
Aus einer Handwerkerfamilie stammend, wählte Thom Trauner den Weg einer Lehre als Lithograf. Das künstlerische Schaffen seiner Mutter, deren Werke im Zweiten Weltkrieg fast zur Gänze unwiederbringlich verloren gingen, inspirierten ihn bereits von Jugend an. Schon früh versuchte Thom Trauner dieses Talent mittels eigener Wege in der Kunst umzusetzen: Neben seinem Beruf, in welchem er die bloßen Grundzüge von klassischer Fotografie und herkömmlicher Druckverfahren kennen lernte, wandte er diverse Edeldruckverfahren wie z. B. Cyanotypie an und gestaltete sie individuell.
Obschon das Hauptaugenmerk seines Schaffens auf bildnerischer Ebene liegt, ist Thom Trauner seit den frühen 80ern mit der Punkrock-Band „Frontal” fest verbunden.
Gleichwohl unbeirrbar beschäftigt er sich im Selbststudium intensiv mit Praxis und Theorie zahlreicher Mal- und Zeichentechniken, um diese über die Jahre zu einem eigenständigen Stil auszubauen. Dennoch erfährt das „Gesamtwerk” im Jahr 1995 eine massive Zäsur: Zahlreiche Werke wurden von ihm vernichtet, um auch äußerlich einen kompletten Neubeginn zu manifestieren. Ab diesem Zeitpunkt entstanden zahlreiche, mehrheitlich großformatige Ölbilder, die den heutigen Stil vorausahnen lassen: In die Tiefe gehende Themen, durch programmatische Unschärfe klar sichtbar gemachte Manipulation, wo Konkretes mühelos zu Abstraktem wird, ohne dabei jedoch den Inhalt zu verlieren.
Thomas Rappel
Die wirklich gekonnte Art der Malerei von Thom Trauner würde ich dem Fotorealismus zuordnen. Ein Foto, ein Film oder ein „Still” als Vorlage, oder auch oft nur als Anregung für das zu malende Bild. Das heißt auch, dass das zu malende Objekt, eine Szene, nicht immer gestochen scharf auf die Leinwand gebracht wird.
Auch das Gegenteil davon ist möglich, und die Gegenstände, Szenen, Personen, werden mit einer gewissen Unschärfe dargestellt, wie wenn man durch den Filter eines Milchglases die Handlungen beobachtet. Es sind Verwischungen, die an den flüchtigen Charakter eines Zeitungsfotos erinnern. Eine schnell festgehaltene druckgrafische Notiz ins Riesige vergrößert wie bei einer Rastervergrößerung, die an Schärfe immer mehr verliert je größer sie wird, und dadurch schemenhaft, undeutlich wirkt.
Ein Paradoxon: je näher wir am Objekt sind, desto undeutlicher nehmen wir es wahr. Diese Undeutlichkeit beeinflusst gerade unsere Wahrnehmung und unser Erkennen. Die Undeutlichkeit wird hier zum Stilmittel, zum Programm, und dient dem Künstler zur Vermittlung seiner Bildinhalte.
Seit dem Krieg im Nahen Osten und am Balkan, und unsere Teilnahme daran, via Fernsehen im bequemen Lehnstuhl, müssen wir an der Glaubwürdigkeit der Vermittlung von Bildern und ihrem Wahrheitsgehalt zweifeln. Die Manipulation von Bildern ist fester Bestandteil von Information und Desinformation für Regierungen. Wir wissen nicht, was wahr ist, was die Realität ist, denn wie oft erleben wir ein Geschehen, und müssen später durch die Wiedergabe in einer Pressemeldung vom genauen Gegenteil erfahren. Ein Extremfall? Ich glaube nicht. Wir kennen weder das Davor noch das Danach. Jeder macht sich eine eigene Geschichte daraus.
Thomas Trauner ist ein Gegenwartskünstler, der sich sehr ernsthaft und sehr professionell mit solchen und anderen aktuellen Themen auseinandersetzt. Themen, die uns alle berühren und uns nicht kalt und unbeteiligt sein lassen können. Sein narrativer Malstil kommt uns dabei sicherlich entgegen.
Walter Luckeneder
THOM TRAUNER BIOGRAPHIE
Biographie: |
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1964 |
Geboren in Wels, Österreich |
1970 – 1979 |
Volks- und Hauptschule, Wels |
1978 |
Gewinner Kronen Zeitung Ferienaktion, Zeichnung |
1979 – 1982 |
Ausbildung zum Lithograph |
1980 |
Der Große Österreichische Jugendpreis/Die Erste Bank, Anerkennung |
Seit 1982 |
Festanstellung als Lithograph/Mediengestalter |
Seit 1997 |
Werbegrafik-Designer mit eigenem Büro |
Seit 1999 |
Wohnsitz in Scharnstein, Österreich |
2009 |
Sommerakademie Traunkirchen, Prof. Arnulf Rainer |
2010 |
Gewinner Aquarell-Wettbewerb „Meister von Morgen”, Leopold Museum, Wien |
2010 |
Schulprojekt „Portrait – Das Streben nach Glück” zusammen mit den Schülern der 4. Klasse des Integrativen Schulzentrums Dr.-Schärf-Schule, Wels |
Einzelausstellungen: |
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1987 |
Alter Schlachthof, Wels (A) |
1988 |
Stadtcafe, Wels (A) |
1989 |
VKB, Wels (A) |
1990 |
Galerie Cafe, Wels (A) |
2006 |
Museum Geyerhammer, Scharnstein (A) |
2009 |
Galerie NÖFA, Wels (A) |
2010 |
EWW Galerie, Wels (A) |
Gruppenausstellungen: |
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1990 |
Alter Schlachthof, Wels (A) |
2005 |
Museum Geyerhammer, Scharnstein (A) |
2006 |
Neue Galerie NÖFA, Wels (A) |
2007 |
„24 Stunden Wien - eine Stadt in Bewegung“, Leopold Museum, Wien (A) |
2008 |
APW Gallery, New York City (USA) |
2009 |
MondoPop Gallery, Rom (I) |
2009 |
Kunstbörse Gmunden (A) |
2010 |
Leopold Museum, Wien (A) |
2010 |
„Hotel Lentos“, Lentos, Linz (A) |
Kunstankäufe: |
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2009 |
Stadt Wels |
2010 |
Heinz J. Angerlehner Privatstiftung, Thalheim/Wels |
2010 |
Leopoldmuseum Privatstiftung, Wien |
Veröffentlichungen: |
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1986 |
„Worte zu Stein - Künstler helfen Indien”, |
2008 |
„FM4 Stehkalender 2009”, Woche 50, Hrsg. ORF, Foto/Grafikbeitrag. |
2009 |
„thom trauner – how can I find true love and happiness in the present day”, |
2011 |
„The Convivial Museum”, Hrsg. Association of Science-Technology |