THOM TRAUNER


Salzkammergut Rundschau (Josef Aigner), 16. 8. 2006

"Boring Saturday", "Langweiliger Samstag", heißt das monumentale Triptychon, das erst mit einigen Metern Distanz die Motive zu erkennen gibt: ein niedliches Goldhauben-Mäderl, flankiert von demolierten Autos, Ausschnitten aus Verkehrsunfallszenen, wie sie der Wochenendausflugsverkehr reihenweise bietet. Eine Provokation eigentlich, in einer Landgemeinde Brauchtumsfeste und Unfälle langweilig zu nennen, aber es ist zutiefst beunruhigend das eigene Freizeitverhalten einmal kritisch anzuschauen, die Uniformität ländlicher Samstage…

Was ist von "Beslan" hängen geblieben? Ich habe auch googlen müssen, um mich zu erinnern: eine missglückte Geiselbefreiung in einer Schule im Kaukasus, bei der Präsident Putin im September 2004 gnadenlos dreinschlagen ließ und dutzende Menschen starben. "Beslan" ist beim Maler Thomas Trauner eine Galerie verschwommener, unkenntlich gemachter Porträts der Opfer mit einem Vermummten in der Mitte, einem Terroristen oder Terrorbekämpfer, das bleibt offen.

Auch hier schärft die Unschärfe das Denken: Die Frage, von wem letztlich der Terror ausgeht, ist nicht klar zu beantworten. Der Medienzirkus spielt so eine Nummer nur kurz, dann kommt die nächste Schreckensmeldung. Wir vergessen den Vorfall, die Hintergründe, die Opfer sowieso.

Thomas Trauner zwingt uns mit seinen großen Tafelbildern noch einmal scharf zu stellen, hinter die Dinge zu schauen. Er ist unbequem, gesellschaftspolitisch brisant und malerisch ein großer Könner. Bitte mehr davon!


Österreich (Gregor Matheis), 2. 10. 2006

Thomas Trauner in der Galerie NÖFA - Farben der Medien

Mit seinen großformatigen Ölgemälden hinterfragt Thomas Trauner Medienrealität. „Es geht darum, dass sich der Betrachter Gedanken darüber macht, was er sieht – und wie er es sieht”, sagt Thomas Trauner (42). Der gebürtige Scharnsteiner präsentiert unter dem Motto „schärfende unschärfe” großformatige Ölgemälde.

„Ich verwende nur die Primärfarben Gelb, Rot und Blau”, sagt Trauner, „die gleichen Farben, die Printmedien für den Druck verwenden.” Mit einem dreiteiligen Ölgemälde versucht er die Leidtragenden der Geiselnahme in Beslan in Erinnerung zu rufen. „Die Opfer sind in der Berichterstattung über die Geiselnahme untergegangen. Die Medien berichten meist nur von den Terroristen”, kritisiert er.

Neuanfang. Das Jahr 1995 markierte einen Wendepunkt: Er vernichtete einen Teil seiner Werke, übermalte sie auch teilweise. „Ich wollte einen Neuanfang machen”, begründet er den radikalen Schritt. Das Ergebnis ist ab heute in der Galerie NÖFA in Wels zu sehen.
 


Kronen Zeitung (Vera Rathenböck), 28. 10. 2010

Maler Thom Trauner - Die Jagd nach Glück

Thom Trauner ist ein Späteinsteiger, was seine Erfolge betrifft. Nun kaufte das Museum Leopold in Wien ein Porträt von ihm an und in der Galerie im E-Werk Wels stellt er seine "Jagd nach Glück" vor. Thom Trauner (46) ist gelernter Lithograph. In seiner Malerei entwickelte er im Selbststudium eine zeitgemäße Bildsprache, die von Medienfundbildern ausgeht. Ungeniert wählt er seine Themen. Das Pixelhafte erzeugt Unschärfe, die Trauner ebenfalls in die malerische Bildwelt überträgt. Momentan liegt sein Schwerpunkt auf Porträts. Er zeigt junge Damen, aufgewühlt und emotionalisiert. Er zerstört die perfekt stilisierten Darstellungen aber wieder, um mit Verzerrung und Unschärfe erneut Distanz zu seinen "Models" herzustellen. Fazit: Ein (noch) unbekannter Maler, der mit kraftvollen Bildern an die Öffentlichkeit geht! Galerie EWW in Wels, Stelzhamerstr. 27: bis 30. November


OÖ Nachrichten (Reinhold Gruber), 29. 9. 2006

Wenn Sie vor einem Bild von Thomas Trauner stehen und das Gefühl haben, Sie sehen leicht unscharf, dann brauchen Sie nicht zum Augenarzt zu gehen. Dem Künstler dient die Unschärfe als Stilmittel.

Trauner ist ein vielseitiger Typ. Gelernter Lithograf mit einer starken künstlerischen Ader, die er seiner Mutter zu verdanken hat, und ein musikalischer Rebell, der seit den frühen 80er-Jahren eng mit der Punkrock-Band “Frontal” verbunden ist.

Der 1964 in Wels geborene und seit sieben Jahren in Scharnstein lebende Künstler ist einer, der seine Augen nicht vor den Ereignissen auf der Welt verschließt. Er beobachtet aktuelle Themen nicht nur, er greift sie auf, verarbeitet sie auf seine Art, schafft berührende und nachdenklich machende Bilder, die das Denken des Betrachters durchaus in Gang bringen können.

Dass er mit dem Mittel der Unschärfe arbeitet, war nicht immer so. Das hat mit einem Ereignis im Jahr 1995 zu tun. Vor elf Jahren wurden zahlreiche Werke von Trauner vernichtet, was eine Zäsur darstellt. Der dadurch notwendig gewordene Neubeginn macht sich in den Bildern sichtbar. Es entstehen viele, mehrheitlich großformatige Ölbilder, die den heutigen Stil von Trauner schon vorausahnen lassen: in die Tiefe gehende Themen, durch programmatische Unschärfe klar sichtbar gemachte Manipulation, wo Konkretes mühelos zu Abstraktem wird, ohne dabei jedoch den Inhalt zu verlieren, schrieb Walter Luckenender über Thomas Trauner.

Wie auch bei seiner aktuellen Ausstellung, die am 2. Oktober in Wels beginnt, zu sehen sein wird, mag es Trauner, Gegenstände, Szenen und Personen mit einer gewissen Unschärfe darzustellen. Es hat manchmal den Anschein, als würde man durch den Filter eines Milchglases blicken. Doch je mehr man sich dem Objekt nähert, desto undeutlicher nehmen wir es war. Und das ist es, was Trauner in seinen Werken auch sagen will. Wir müssen an der Glaubwürdigkeit der Vermittlung von Bildern und ihrem Wahrheitsgehalt zweifeln, wenn wir im Fernsehstuhl sitzend mit Kriegen und Konflikten via Nachrichten konfrontiert werden.

Tiefer zu blicken, nicht an der Oberfläche und der vermeintlichen Deutlichkeit hängen zu bleiben - das ist ein Credo von Trauners Arbeit. Irgendwie ist das faszinierend.
 

THOM TRAUNER PRESSE
 

ThomTraunerAtelierRGB


Pressefoto (Farbe und SW) zum Download. Portrait Thom Trauner im Atelier. Copyright 2010, Foto: Thom Trauner

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